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Kleopatra VII. (69 - 30 v. Chr.)

  • Autorenbild: galeriecharly
    galeriecharly
  • vor 4 Tagen
  • 6 Min. Lesezeit
 Kleopatra VII. mit Ihrem Ba , Acryl auf Leinwand 80x60 / gerahmt
Kleopatra VII. mit Ihrem Ba , Acryl auf Leinwand 80x60 / gerahmt

Sie gewann die beiden größten Römer ihrer Zeit für sich, und wegen des dritten nahm sie sich das Leben

(Cassius Dio, römischer Senator, Konsul und Geschichtsschreiber 163 bis 235 n. Chr.)

Kleopatra in der Schlangengrube


Kleopatra war eine Frau, die in außergewöhnlich herausfordernden Zeiten lebte.

Ich vertiefte mich in Bücher über ihr Dasein und verschlang jede Dokumentation, die ich finden konnte.

Die Lebensgeschichte Kleopatras fesselt meine Phantasie und das wird immer so sein.

Sie hat stets ihre Fassung bewahrt und genau gewusst, welche Entscheidungen zu treffen waren. Genau das fasziniert mich so an ihr, Sie ist nicht zerbrochen, kein Opfer, sondern Täterin – im besten wie im schlechtesten Sinne; Überlebende auch noch im Tod.


Kleopatra VII., geboren 69 v. Chr. in Alexandria, lebte ein Leben, das sich wie ein Dasein in einer Schlangengrube anfühlt – eine treffende Metapher für psychische Qualen, einen Ort voller Schrecken, Leid und tödlicher Bedrohung.

Es erscheint daher nur passend, dass sie der Legende zufolge im Jahr 30 v. Chr. durch den Biss einer Uräusschlange, einer ägyptischen Kobraart, ihrem Leben selbst ein Ende setzte.

Diese Schlange symbolisierte das ägyptische Königtum und die pharaonische Herrschaft.

Kleopatra widmete ihr gesamtes Leben dem Erhalt eben dieses Königtums und der Unabhängigkeit Ägyptens.

Dabei fällte sie Entscheidungen, die durchaus als Ausdruck eines extrem brutalen Handelns angesehen werden können. So galt der Mord an Familienmitgliedern nicht als Tabu, sondern als kompromisslose Maßnahme, um eigene Bedeutung und Macht zu wahren.

Sie strebte danach, allein zu herrschen, da sie von ihrem grausamen Vater, Ptolemaios XII., den unerschütterlichen Willen zur Herrschaftsausübung geerbt hatte. Dieser Vater ließ sogar Berenike IV., Kleopatras Halbschwester und eigene Tochter, hinrichten, da sie seinem Thronanspruch im Weg stand. Es herrschten Zustände wie in einer Schlangengrube – überall Zischen, Bisse und Würgen.

Kleopatra lernte eine entscheidende Lektion fürs Überleben: Handle zuerst, wenn es darauf ankommt, und zögere nicht, deinen Vorteil durch entschlossenes Vorgehen zu sichern. Sie wusste, wie wichtig es war, Allianzen mit Mächtigeren zu schmieden, um ihre eigene Position zu festigen. Diese Strategie hatte sich bereits in ihrer eigenen Familie bewährt. Ihr grausamer Vater, der seine Herrschaft an sie und ihren Bruder übergab, war ein Beispiel dafür, wie Furcht und Macht eng miteinander verwoben sein konnten. Kleopatra verstand schnell, dass Loyalität – oder zumindest der Anschein davon – für das Überleben entscheidend war. Nach ihrer Thronbesteigung verlieh sie sich selbst den Beinamen "Philipator", was "die Vaterliebende" bedeutete. Man kann vermuten, dass dahinter weniger Zuneigung als vielmehr eine nüchterne Taktik steckte, denn Ungehorsam konnte unter ihrem Vater mit dem Tod enden.

Die Göttin der Liebe in der ägyptischen Religion war Hathor, die später im Neuen Reich mit der Göttin Isis verschmolz. Auch Kleopatra sah sich als Verkörperung der Göttin Isis. Dies spiegelt sich in Darstellungen auf den Wänden des Isis-Tempels in Philae wider, wo sie zusammen mit ihrem Sohn Cäsarion abgebildet ist. Cäsarion war das gemeinsame Kind von Kleopatra und Julius Cäsar. Cäsar verfiel ihrer Ausstrahlung schnell und leidenschaftlich nach dem legendären Ereignis, bei dem sie sich in einem Teppich eingerollt präsentierte.

Er nahm sie schließlich mit nach Rom – eine Entscheidung, die sich später als großer Fehler erweisen sollte.

Für Kleopatra entwickelten sich die Ereignisse äußerst vorteilhaft: Cäsar beseitigte ihren Bruder und ungeliebten Mitregenten Ptolemaios XIII. und setzte sie als Pharaonin von Ägypten ein. Ein wahrer Triumph für sie. Ihr junger, unglückseliger Bruder hatte sich – umgeben von unfähigen Beratern – gegen Rom erhoben, ein Schritt, den die kluge Kleopatra als aussichtslos erkannte. Einen Krieg gegen Rom konnte man nicht gewinnen. Doch Kleopatra war sich bewusst, dass es auch andere Wege gab, die Mächtigen für sich zu gewinnen. Mit einer Kombination aus ihrem Charme und ihrer Intelligenz – sie soll immerhin sieben Sprachen beherrscht haben – gelang es ihr, Cäsars Zuneigung zu gewinnen. War es ihre kluge Strategie oder doch eher die "Waffen einer Frau"? Was auch immer der Grund war, es funktionierte: Cäsar anerkannte schließlich ihren gemeinsamen Sohn. Für die Römer ein ungeheurer Skandal, denn Cäsar war längst mit einer angesehenen Römerin namens Calpurnia verheiratet.

Die Geschichte ist unerbittlich: Wer kennt Calpurnia?

Kleopatras Aufenthalt in Rom, zusammen mit ihrem gemeinsamen Sohn, markierte sprichwörtlich den letzten Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Für die konservativen Römer war Cäsars Handeln ein Affront gegen alles, was ihnen heilig war. Sein Egoismus und sein Drang nach Alleinherrschaft hatten Grenzen überschritten, die sie nicht akzeptieren konnten. Sein Schicksal wurde mit den Iden des März besiegelt – ein Ereignis, das längst zur Metapher für seinen bevorstehenden Tod wurde. Nach seiner Ermordung blieb Kleopatra nichts anderes übrig, als mit ihrem Sohn nach Ägypten zurückzukehren. Doch wie stand sie wirklich zu Cäsar? Liebte sie ihn? Überliefert ist, dass sie ihn hochschätzte. Ob es Liebe war, bleibt wohl eines der Geheimnisse der Geschichte.

Dann erschien Marc Antonius auf der Bühne, ein charismatischer und imposanter Held Roms sowie ein einflussreicher Mitregent im Triumvirat zusammen mit Octavian und Marcus Aemilius Lepidus. Auch ihn konnte Kleopatra in ihren Bann ziehen. Dieses Mal jedoch war es echte, leidenschaftliche Liebe, die durch die Geburt von Zwillingen gekrönt wurde. Die Namen der Kinder sollten eine bewusste Anspielung auf die göttliche Verbindung des Paares sein: Die Tochter erhielt den Namen Kleopatra Selene, während der Sohn Alexander Helios genannt wurde – Sinnbilder der Herrschaft von Mond (Selene) und Sonne (Helios). Doch das Schicksal schien eine andere Richtung zu nehmen. Misstrauen, Hass und Vergeltungsgelüste wuchsen. Octavian, der Mitregent, konnte die Demütigung nicht hinnehmen, dass Marc Anton von seiner Schwester geschieden war, um Kleopatra zu heiraten. Schon bald waberten Gerüchte durch Rom: "Schon wieder diese Hexe Kleopatra", raunte man hinter vorgehaltener Hand. "Mit ihren vermeintlichen Zauberkünsten verdreht sie den Mächtigen im Reich den Kopf."

Die Machtkämpfe der Antike waren nicht weniger gnadenlos als die Intrigen in einer Serie wie "Game of Thrones". Auch Kleopatras Aufstieg war von Verrat, Gewalt und familiären Konflikten geprägt. Ihre Schwester Arsinoë IV, eine Rivalin um die Macht, stellte dabei eine besondere Bedrohung dar. Anfangs ließ Kleopatra sie „nur“ ins Exil nach Ephesos schicken, wo sie im berühmten Tempel der Artemis Zuflucht fand – einem antiken Asylort für verstoßene Königskinder und politische Gegner. Innerhalb der heiligen Mauern galt das Tabu des Mordens. Doch dieses Schutzversprechen reichte nicht aus, um Arsinoë zu retten. Zu groß war das Risiko, das ihre Existenz für Kleopatra darstellte. Schließlich entsandte sie Attentäter zum Tempel. Vor den Stufen des Heiligtums wurde das blutige Kapitel beendet: Arsinoë wurde getötet – auf Kleopatras Befehl.

Stichwort Schlangengrube: Es herrschten Hass und ein unstillbarer Durst nach Rache. Octavian, der Mitregent im Triumvirat, konnte die Demütigung nicht verkraften, dass Marc Anton sich von seiner Schwester Octavia scheiden ließ, um Kleopatra zu heiraten. Octavian wollte die alleinige Macht in Rom.

Am 2. September 31 v. Chr. kam es zur entscheidenden Seeschlacht von Actium. In dieser Auseinandersetzung trafen die Streitkräfte von Kleopatra und Marcus Antonius auf das Heer von Octavian. Kleopatra und Marcus Antonius unterlagen, was ihr Schicksal besiegelte. Octavian marschierte nach Ägypten ein und feierte einen Triumph. Die 300-jährige Herrschaft der Ptolemäer ging zu Ende, und Ägypten wurde zu einer römischen Provinz, mit Gaius Cornelius Gallus als erstem Präfekten. Dieser Moment markierte das Ende von 5000 Jahren ägyptischer Unabhängigkeit.


Das tragische Ende des Paares weckt unweigerlich Erinnerungen an die Geschichte von Romeo und Julia. Könnte es sein, dass Shakespeare von dieser Erzählung inspiriert war? Marc Anton, überzeugt, Kleopatra sei bereits tot, stürzte sich voller Verzweiflung in sein eigenes Schwert. In seinen letzten Momenten hielt ihn Kleopatra in ihren Armen und schwor ihm ihre unsterbliche Liebe.

Octavian, ein rationaler, durchaus fähiger Technokrat, zu tiefst durch das Paar gekränkt, würde kalt abrechnen, und sie in Rom auf dem Triumphzug vorführen und dann töten lassen.

Für eine stolze Königin jedoch gab es nur einen einzigen Ausweg, um ihrer Würde gerecht zu werden – den Freitod.

Mit der Auswahl der Uräusschlange als Todesbringerin hat Kleopatra ihren unsterblichen Mythos begründet.

Die Uräusschlange, ein Symbol pharaonischer Macht, prangt als goldene Figur an der ägyptischen Krone und verkörpert den Schutz und die Autorität des Herrschers. Doch war der Biss des Tieres tatsächlich tödlich?

Vielleicht erwirkten aber auch Schierling und Opium zusammen den Tod, und die Schlange war das Accessoires für unsterblichen Ruhm. Am 10. oder 12. August 30 v. Chr. endete das Leben dieser beeindruckenden Frau. Sie war bereit, über Leichen zu gehen und sogar ihre eigenen Geschwister zu beseitigen, um ihren Thron zu sichern. Doch trotz ihrer Skrupellosigkeit war sie auch eine liebende Mutter und Partnerin.Kurz vor ihrem Tod setzte Kleopatra alles daran, für ihre Kinder freies Geleit bei Octavian auszuhandeln.

Aber die erbarmungslose Logik der Macht kannte nur einen Weg: Cäsarion, der inzwischen 17 Jahre alt war, musste sterben. Seine Existenz stellte eine zu große Bedrohung für Octavian da.

Die drei Kinder aus ihrer Beziehung zu Marcus Antonius, Kleopatra Selene, Alexander Helios und Ptolemaios Philadelphos wurden nach Rom verschleppt.Erstaunlicherweise übernahm Octavia, die geschasste Ehefrau des Antonius, die Erziehung der Kinder. Die beiden Jungen starben früh, und kaum etwas ist über ihr Leben in Rom bekannt. Doch das Mädchen, Kleopatra Selene, überlebte und wurde Königin von Mauretanien. Über zwei Jahrzehnte prägte sie mit griechischer Kultur und Lebensart das Land Mauretanien, ein  Zentrum in Nordafrika.

Sie führte so das Erbe des Königtums weiter – ein wirklicher Trost angesichts des tragischen Schicksals ihrer Mutter. Im Tod wurden Kleopatra und Antonius wieder vereint: Octavian erlaubte, dass die Königin im Alter von 39 Jahren neben ihrem großen Gefährten in einem Mausoleum bestattet wurde – ein Zeichen von unerwarteter Milde.

Bis heute suchen Archäologen nach dieser letzten Ruhestätte, wohl wissend, dass sie vielleicht unter Wasser an der Küste Alexandrias liegt, vielleicht verborgen neben den Trümmern des legendären Leuchtturmes.


 
 
 

1 Kommentar


Evangeline Coliér
Evangeline Coliér
vor 2 Tagen

❤️

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